HOCHSCHULE UND WISSENSCHAFT

Egal, was man studiert und zu welcher Zeit, ein Studium ist immer ein persönlicher Gewinn. Nordrhein-Westfalen bietet hierfür hervorragende Voraussetzungen, denn es hat mit seinen 74 Hochschulen, über 50 außerhochschulischen Forschungseinrichtungen und den großen Wissenschaftsdachorganisationen die dichteste Hochschul- und Forschungslandschaft in Europa. Der Etat 2016 beträgt beispielsweise 8,2 Milliarden Euro – rund 2,4 Milliarden Euro mehr als 2010. An 72 Hochschulen mit knapp 3.800 Studienangeboten sind zurzeit rund 743.000 Studierende eingeschrieben, das sind über 240.000 mehr als 2010. Nachdem Rot-Grün 2011 die Studiengebühren abgeschafft hat, ist das Studium an den 30 öffentlich-rechtlichen Universitäten und Fachhochschulen sowie den sieben staatlichen Kunst- und Musikhochschulen wieder kostenlos. Aber wir machen uns nicht nur für die Hochschulen stark, sondern auch für das Leben neben dem Studium. Unsere zwölf Studierendenwerke bieten – neben Beratungsangeboten, Verpflegung und Kinderbetreuung – preiswerten Wohnraum am Hochschulort an. Da in einigen Städten die Lage angespannt ist, unterstützen wir den weiteren Ausbau von Wohnheimen mit einem Programm von jährlich 50 Millionen Euro. Bereits jetzt fördert das Land NRW rund 50.000 Wohnplätze für Studierende.

 

74

Hochschulen

8,2 Mrd. EUR

Etat im Jahr 2016

3.800

Studienangebote

STUDIUM UND LEHRE

Eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiches Studieren sind gute Studienbedingungen. Dazu zählt auch die Qualität der Lehre an unseren Hochschulen. Neben der Grundfinanzierung stellt das Land jährlich ein zusätzliches Budget in Höhe von ca. 250 Mio. Euro zur Verbesserung der Qualität der Lehre zur Verfügung – die sog. Qualitätsverbesserungsmittel.

Es ist sichergestellt, dass die Gelder nicht zur Erhöhung der Aufnahmekapazität führen, sondern für zusätzliches Personal wie zum Beispiel Lehrkräfte und Tutoren genutzt werden. Für welche Maßnahmen und Projekte die Mittel verwendet werden, darüber entscheiden in Qualitätsverbesserungskommissionen auch die Studierenden selbst mit.

Mit dem Hochschulzukunftsgesetz wenden wir uns gegen eine Verschulung des Studiums. Dazu gehören die Abschaffung der Anwesenheitspflicht, eine bessere Anerkennung von Studienleistungen bei Hochschulwechsel und Auslandsstudium, Vorgaben für weniger Prüfungen und mehr Mitbestimmung für Studierende. Auf allen Ebenen können Studierende nun über Lehre und Lehrprojekte mitentscheiden. Darüber hinaus unterstützen wir den Ausbau von Mentoring-Programmen und von Lehrveranstaltungen mit E-Learning-Elementen, denn die neue Generation der Studierenden ist durch ihre Sozialisation extrem medienaffin. Es gibt jedoch durchaus Defizite in der Medienkompetenz, die im Rahmen von Studium und Lehre an den Hochschulen ausgeglichen werden müssen. Dazu ist es notwendig, dass die Hochschulen ihre tradierte Form der Wissensvermittlung, die in weiten Teilen noch stark durch die Präsenzlehre gekennzeichnet ist, zum Teil auf eine Form des Blended Learning ausweiten, bei der neben der klassischen Präsenzlehre die Formen der selbstgesteuerten, mediengestützten Wissensvermittlung hinzukommen. Dies erfordert die Bereitschaft der Lehrenden, sich mit den neuen Formen der Wissensvermittlung vor dem Hintergrund der (Medien-)Didaktik aktiv auseinanderzusetzen, um die eigene Lehre weiterzuentwickeln. In diesem Kontext sollten die Hochschulen verpflichtende (Weiter)Bildungsangebote für neu berufene Lehrkräfte festschreiben und im Zuge des Qualitätsmanagements aussagekräftige Indices für die Qualität der Lehre ausarbeiten. Gleichzeitig sollten die Hochschulen in diesem Kontext der Lehre eine angemessene Wertschätzung und entsprechende Reputation zukommen lassen.

In der hochschuldidaktischen Weiterentwicklung setzen wir auf einen Ansatz der Lernkultur, die Studierende in den Mittelpunkt stellt. Ausgehend von der Diskussion im Rahmen der Bologna-Reform wurde in der hochschulpolitischen Debatte ein Prozess im Sinne eines „Shift from Teaching to Learning“ angestoßen. Dieser soll einen Perspektivenwechsel von einer Lehre als Belehrung hin zu einem Lernen von Selbstverantwortung, Reflexionsfähigkeit und kritischem Denken einleiten.

 

ca. 250 Mio.

Qualitätsverbesserungsmittel

Hochschulzukunftsgesetz

gegen eine Verschulung des Studiums

Wissensvermittlung

digitale Wege

Im Mittelpunkt

Studierende

KARRIEREWEGE IN DER WISSENSCHAFT

Wissenschaft und Forschung brauchen arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen, die ausreichend Raum lassen für Innovationsentwicklung und Nachwuchsförderung und gleichermaßen den Anforderungen guter Beschäftigungsbedingungen gerecht werden. Zur Sicherung ihrer Innovationsfähigkeit sind wissenschaftliche Einrichtungen aber auch mehr als andere auf regelmäßige Personalwechsel angewiesen.

Ziel muss es dabei sein, mit verschiedenen Maßnahmen auf Dauer die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses zu verbessern, verlässliche Karrierewege zu ebnen, die Gleichstellung zu befördern sowie einen qualitativ hochwertigen Lehrbetrieb aufrechterhalten.

Im Bereich der Frauenförderung sehen sich Hochschulen vor besondere Herausforderungen gestellt. In Bezug auf das zahlenmäßige Gleichstellungziel sind die deutschen und nordrhein-westfälischen Hochschulen noch immer unterdurchschnittlich weit vorangekommen. Zwar sind die Frauenanteile in den letzten Jahrzehnten auf allen Qualifikationsstufen gestiegen, doch liegt diese Entwicklung weit unter der Zielmarke und es gehen mit jeder Stufe, inzwischen vor allem nach Erreichen des Doktorgrades, viele weibliche (potenzielle) Fachkräfte verloren.

Für die Politik besteht Handlungsbedarf an dieser Stelle. Vor diesem Hintergrund hat Nordrhein-Westfalen als erstes Bundesland eine flexible Frauenquote nach dem Kaskadenmodell in seinem neuem Hochschulgesetz festgeschrieben. Auf der Leitungsebene der Hochschule soll der Frauenanteil mindestens 40 Prozent betragen.

Eine der größten Schwachstellen an den Hochschulen in Deutschland ist das Fehlen eines dauerhaft etablierten Mittelbaus. Zumindest ist es aber notwendig, für bessere Beschäftigungsbedingungen hinsichtlich der Vertragsdauer, des Vertragsumfangs, der Qualifikationszeiten und der Absicherung von Familienphasen auch bei Projektbeschäftigten zu sorgen. Eine zwingende Voraussetzung ist in diesem Zusammenhang die derzeit diskutierte Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes.

Mit dem im Hochschulzukunftsgesetz verankerten „Rahmenkodex für gute Beschäftigungsbedingungen“ ist NRW schon einen wichtigen Schritt vorangegangen. Tatsache ist, dass sich die Rahmenbedingungen für gute Arbeit an den Hochschulen positiv auf Forschung und Lehre auswirken. Dies ist ein wesentlicher Standortvorteil beim Wettbewerb um die besten Köpfe und fügt sich ein in die Gesamtstrategie der Landesregierung und der Regierungsfraktionen für faire Beschäftigungsbedingungen in NRW. Der Rahmenkodex wurde nach Inkrafttreten des Hochschulzukunftsgesetzes gemeinsam von den Sozialpartnern in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung erarbeitet.

Für verlässliche Karrierewege in der Wissenschaft ist auch der Zugang zur Professur für junge WissenschaftlerInnen von großer Bedeutung. Seit Einführung der Juniorprofessur im Jahr 2002 gewinnt der Tenure Track als Alternative, seltener als Vorstufe zur Habilitation, an Bedeutung. Gerade in Verbindung mit einem Tenure Track bietet die Juniorprofessur einen guten und planbaren Weg in die Wissenschaftskarriere. Der Wissenschaftsrat hat im Juli 2014 den Hochschulen empfohlen, den Zugang zur Professur über den Tenure Track auszubauen – dies wird nicht nur von einem Großteil des wissenschaftlichen Nachwuchses befürwortet, sondern auch innerhalb der übrigen Professorenschaft. Ein signifikanter Anteil aller Professuren müsse die Chance haben, auf eine unbefristete Professur berufen zu werden. Um dem gerecht zu werden, gilt es, dies hochschulgesetzlich zu verankern und finanzielle Anreize zu schaffen. Auf Bundesebene fordern wir Grüne schon lange ein neues, umfangreiches Juniorprofessuren-Programm. Hieran ließe sich anknüpfen.

 

Nachwuchsförderung

für mehr Innovation

höhere Fauenquote

auf allen Qualifikationsstufen

Tenure track

für JuniorprofessorInnen

Rahmenkodex

für gute Beschäftigungsbedingungen

FORSCHUNG UND INNOVATION

Neben den 74 Hochschulen haben mehr als 50 außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ihren Sitz in NRW - darunter zwölf von Bund und Ländern gemeinsam finanzierte Max-Planck-Institute, 13 Fraunhofer Institute, drei Fraunhofer Anwendungszentren sowie eine Fraunhofer Projektgruppe und elf Leibniz-Institute sowie drei Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft und ein Helmholtz-Institut in Münster. Hinzu kommen 15 vom Land geförderte Institute der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft. Außerdem gibt es über 100 Forschungseinrichtungen an den Hochschulen. Für Forschungsförderung, Technologieförderung, den Innovationsfonds, den Strukturfonds und für Großgeräte stehen aktuell im Landeshaushalt 705 Mio. Euro zur Verfügung.

 

Gute Forschung zeichnet sich dadurch aus, dass sie unter Anwendung wissenschaftlicher Theorien, Methoden und Standards versucht, neues Wissen zu generieren bzw. zu Erkenntnisgewinn zu gelangen. Zu guter Forschung gehört auch, dass diese Erkenntnisse für die Lehre und insgesamt den Fortschritt in der Gesellschaft nutzbar gemacht werden –

auch Grundlagenforschung leistet einen solchen Beitrag – und dass nach Möglichkeit insbesondere Studierende, aber auch die Zivilgesellschaft in den Forschungsprozess mit einbezogen werden. Wir Grüne stehen für eine nachhaltige Forschung, die Antworten gibt auf die zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Fragen einer umweltgerechten Energieversorgung, ressourcenschonende Mobilität, Demografie und Migration. Hier ist insbesondere ein interdisziplinärer Ansatz von Bedeutung unter Beteiligung von Geisteswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Lebenswissenschaften. Durch Wissenstransfer können diese Forschungsergebnisse wirkungsvoll in die (über-)regionale Wirtschaft überführt werden. Innovationen aus den Hochschulen heraus, auch die aus der kooperativen Forschung zwischen Universitäten und Fachhochschulen, können durch maßgeschneiderte Förderprogramme des Landes schneller und zielgerichteter generiert und der Transfer in die Wirtschaft effizienter gestaltet werden.

 

50

außeruniversitäre Forschungseinrichtungen

über 100

Forschungseinrichtung an Hochschulen

705 Mio. Euro

im Landeshaushalt für Forschungsförderung